in Agilität, Praxistipps

Agilität braucht die Bereitschaft, inperfekte Lösungen zu akzeptieren!

Im Rahmen der Digital Enterprise Konferenz von LSZ Consulting hatte ich Gerhard Zeiler zu einem Gespräch über die Geschäftsmodelle von Medienunternehmen im Zeichen der Digitalisierung eingeladen. Gerhard Zeiler war u.a. Generalsekretär und später auch Generalintendant des ORF, CEO der RTL Group und ist jetzt President von Turner International. Mit Gerhard Zeiler verbindet mich eine gemeinsame erste berufliche Station im Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung. In seiner Zeit als Geschäftsführer von RTL Television in Köln war ich auch als Berater zum Thema IT-Governance für ihn tätig.

Unser Gespräch zur Digitalisierung in der Medienbranche fand zu einem Zeitpunkt statt, wo gerade Verkaufsverhandlungen zwischen AT&T und Turner im Gange sind. Diese Fusion zeigt, dass Telekommunikationsunternehmen versuchen, sich vom Infrastrukturbetreiber zum Content-Provider weiter zu entwickeln. Wer an der Präsentation zu diesem Thema interessiert ist, kann sie bei office*@*360pm.eu (* entfernen) anfordern.

Ich nutzte die Gelegenheit aber auch, um Gerhard Zeilers Meinung zu den Themen Agilität und IT-Projektmanagement zu erfahren. Dazu gab er ein klares und für manche vielleicht überraschendes Statement ab. Hören Sie selbst in diesem kurzen Video-Ausschnitt.

Die Bereitschaft, nicht auf die perfekte Lösung zu warten, sondern lieber eine unvollkommene Lösung schnell zu realisieren ist ja auch ein Leitbild von Startups, bekannt als Prinzip des „Minimum Viable Product„. Gerhard Zeiler sieht diese Denkweise auch für Großunternehmen als unabdingbar.

Wie kann man das realisieren, wenn das Vorhaben nun einmal größer ist als man in wenigen Monaten erledigen kann? Es erfordert ein iteratives Vorgehen, wobei jede Iteration ein greifbares, für Anwender nachvollziehbares Ergebnis liefern muss. Das hat das agile Manifest schon 2001 gefordert und vieles davon ist ja auch noch heute gültig (dazu mehr in einem anderen Blogpost).

Allerdings reicht es bei Großprojekten nicht, User Stories zu sammeln, ein Team zu etablieren, einen Backlog zu bilden, diesen in Sprints abzuarbeiten usw. Es braucht einen gesicherten Rahmen, der die Einbettung des zu entwickelnden Systems in das Geschäftsmodell und die Geschäftsprozesse des Unternehmens klärt, die Architektur des Systems auf eine sichere Basis stellt und nicht zuletzt auch die Finanzierbarkeit des Vorhabens sichert. Die beste Grundlage dafür ist meiner Meinung nach immer noch die bei uns leider wenig bekannte „Dynamic Systems Development Method“ (DSDM). Hier wird das iterative Vorgehen eingebettet in eine Ablaufstruktur, wie sie für Großprojekte unverzichtbar ist.

Eine ausführliche Anleitung findet man hier:

Angesichts aller Anleitungen, die Best Practices beschreiben und natürlich ihren unbestreitbaren Wert haben finde ich die kurze und trockene Ansage von Gerhard Zeiler, dass man nur rasch genug sein kann, wenn man sich vom Perfektionismus verabschiedet und inperfekten Lösungen den Vortritt gibt, als extrem hilfreich. Man sagt uns Österreichern ja nach, dass wir mit Provisorien besonders gut leben können. Das muss also kein Nachteil sein! Gerhard Zeilers Karriere könnte man als Beweis dafür werten.

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