in Erfolgskriterien, Fallbeispiel

Anatomie eines erfolgreichen Projektes – Die 01:59 Challenge

Am 12. Oktober 2019 schaffte es Eliud Kipchoge, einen Marathon unter 2 Stunden zu laufen.  Um die Dimensionen zu veranschaulichen: er musste dafür knapp 422-mal die 100 m in 17 Sekunden laufen. Das sind 21 km/h, die meisten von uns könnten das höchstens mit dem Fahrrad schaffen.

Um so eine Leistung zu erbringen, braucht es letztlich genetisch determinierte körperliche Voraussetzungen, professionelles Training und mentale Fitness. Eliud Kipchoge hatte 2017 mit zwei anderen Läufern unter speziell dafür optimierten Bedingungen auf der Rennstrecke von Monza eine Zeit von 2:00.25 geschafft. Mit seinem Weltrekord von 2:01.39 im September 2018 in Berlin kam er der 2-Stundenmarke in einem regulären Rennen so nahe wie vor ihm noch kein Läufer. Daher entschied sich Eliud Kipchoge für einen neuerlichen Versuch, die 2-Stunden-Marke zu brechen. Als Termin peilte man Oktober 2019 an.

Warum ausgerechnet in Wien?

Ursprünglich war London als Austragungsort geplant, wurde aber wegen der instabilen Wetterverhältnisse bald verworfen. Im Juni 2019 fiel die Entscheidung, den Rekordversuch diesmal in Wien durchzuführen. Die Gründe waren vielfältig, das Wetter zu dieser Jahreszeit (Regen, Wind), die Zeitzone, die Unterstützung der Stadt Wien waren einige der wichtigsten Argumente für diese Entscheidung. Mit einer Vorlaufzeit von nur 4 Monaten mussten dafür die notwendigen Voraussetzungen am Austragungsort geschaffen werden. Der Versuch in Monza hatte gezeigt, dass der Erfolg im Bereich des Möglichen lag, aber „Knapp verfehlt ist auch daneben“. Zudem war bekannt, dass es keinen neuerlichen Versuch geben würde, es musste also auf Anhieb klappen.

Der Rekordversuch in Wien fand im Gegensatz zu Monza in der Öffentlichkeit statt. Die Prater Hauptallee in Wien, eine 4,3 km lange, schnurgerade, ebene Strecke mit den Wendepunkten Lusthaus und Praterstern wurde dafür gewählt. Der Start fand auf der Reichsbrücke statt, so wie auch der Vienna City Marathon. Hier die Streckenführung (© VCM – Gerhard Wehr):

Was hier so einfach und logisch aussieht, verursachte doch schon einige der Herausforderungen. Der Straßenbelag der Hauptallee erwies sich teilweise als zu holprig, die Umrundung des Lusthauses als zu eng. Der Praterstern hat eine Senke und ist außerdem ein neuralgischer Verkehrsknotenpunkt, den man nicht so ohne weiteres sperren kann. Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt, die zu bewältigenden Herausforderungen waren vielfältig und oft auch unerwartet.

So auch die Konfiguration des Laufs: das Führungsfahrzeug mit der Laserprojektion und das umgekehrte V der Pacemaker waren Ergebnis umfangreicher Analysen und Experimente. Einen unmittelbaren Eindruck davon gibt dieses Video. Ich danke Johanna Ettl für diese eindrucksvolle Dokumentation aus nächster Nähe.

Die 01:59 Challenge als Projekt betrachtet

Das war ein Projekt der besonderen Art. Wie wurde dieses geplant und abgewickelt? Was können wir daraus für unsere Projekte lernen? Das ist auch für jene interessant, die mit Marathon nichts am Hut haben.

 Ich habe dazu einen Artikel im Projektmagazin geschrieben: Die 1:59 Challenge – Anatomie eines erfolgreichen Projekts. Der vollständige Artikel ist nur für Abonnenten zugänglich. Ein Abo kann ich sehr empfehlen, es gibt verschiedene Abo-Modelle. Wer einen Sonderdruck haben möchte, schreibt bitte ein Mail an info@enjoyprojects.net.

Lessons learned für die Projektmanagement-Community

Vorweg die Schlussfolgerungen, die ich aus der Analyse dieses außerordentlichen Projektes für uns Projektmanager gezogen habe:

    • Es ist wichtig, dass der Projektauftraggeber hinter einem Projekt steht und inhaltlich versteht, welche Herausforderungen in einem Projekt zu bewältigen sind.
    • Die Identifikation aller Beteiligten mit dem Projektziel erspart viel an Overhead, sei es im Bereich der Planung, der Projektsteuerung oder des Controllings.
    • Partnerschaftliche Zusammenarbeit von motivierten Profis ist die beste Voraussetzung für Höchstleistungen. Allerdings ist die Kette so stark wie ihr schwächstes Glied. In jedem Teilprojekt steckte das Potenzial, das Gesamtvorhaben zum Scheitern zu bringen.
    • In Abwandlung von Peter Drucker gilt: „Culture eats methodology for breakfast“. Nur durch eine Projektkultur, die auf Höchstleistung ausgerichtet ist, kann ein Ziel, das scheinbar jenseits der Machbarkeitsgrenze liegt, erreicht werden.
    • Alle Projektmanagementleistungen wären wertlos, wenn der zentrale Prozess, hier die Leistung von Eliud Kipchoge – aus welchem Grund auch immer – nicht zustande gekommen wäre.

Das Titelbild hat mir Vienna City Marathon zur Verfügung gestellt.
©  VCM – Michael Gruber. 

Und hier noch eine persönliche Anmerkung, ich war auch hier 😉

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