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Auswirkungen der Digitalisierung – Thesen von Richard David Precht

Ein Optimist der scheitert, hat bis dahin ein besseres Leben gehabt als ein Pessimist der bestätigt wird. Mit diesem Satz hat mir Richard David Precht bei seinem Vortrag auf der PM-Welt 2018 am 13.3.2018 aus der Seele gesprochen. Sein eigentliches Thema war allerdings die Frage, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf das Projektmanagement hat. Auf dem Weg zur Beantwortung dieser Frage sagte er vieles, was meiner Meinung nach sehr wichtig und meiner Meinung nach auch richtig ist. Hier einige Punkte ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Dass die Digitalisierung wie die vorherigen drei industriellen Revolutionen doch nicht zu einer Reduktion der Arbeitsmenge führen, hält Precht aufgrund der völlig geänderten weltwirtschaftlichen Konstellation für unwahrscheinlich. Die Theorie von Robert Solow hält Precht für kein Naturgesetz und diese würde sich bei dieser vierten industriellen Revolution nicht bewahrheiten.

Welche Berufsgruppen durch die Digitalisierung ihren Job verlieren, könne man nicht exakt vorhersagen, aber jedenfalls gilt dies für Bus-, Taxi- und LKW-Fahrer, sicher für Banken und Versicherungen. Sicher seien Berufe, in denen es auf Empathie ankommt und auch hochwertiges Handwerk. Insofern ist die Zukunft von Projektmanagern wohl auch als eher günstig anzusehen. Das Umfeld wird sich allerdings gravierend verändern, dazu hier noch etwas mehr.

Die Kompensation dieser Verluste durch neue Berufe im digitalen Sektor hält Precht für quantitativ nicht ausreichend und überdies sind das alles sehr anspruchsvolle Berufe, für die nur wenige die notwendigen Qualifikationen erwerben. Der Anteil der Studienabbrecher in der Informatik liegt bei ca. 80 %, weil das Studium einfach sehr schwierig sei.

Grundsätzlich ist jede digitale Technologie, die Menschen assistiert, zu begrüßen, jede substituierende Technologie hingegen kritisch zu sehen oder abzulehnen.

Es steht für Precht außer Zweifel, dass unser Sozialsystem, das auf der Besteuerung von Erwerbsarbeit beruht, nicht mehr haltbar sein wird. Dass dieses evidente Problem von der Politik ignoriert wird, hat er mit dem Aphorismus kommentiert, dass wir heute viel wissen, es aber nicht glauben, während man in früheren Zeiten wenig gewusst, aber viel geglaubt habe.

In diesem Kontext muss man das „bedingungsloses Grundeinkommen“ diskutieren. Darauf ging Precht ausführlich ein und stellte fest, dass dieses von völlig diametralen ideologischen Positionen befürwortet wird. Der eine Pol ist das anthroposophisch-idealistische Lager: man sieht dieses Modell als Weg zur Selbstentfaltung der Menschen. Der andere Pol – z.B. fast alle im Silicon-Valley – haben völlig andere Motive. Man sieht, dass die Arbeit durch Digitalisierung weniger wird, schließlich arbeitet man an vorderster Front daran. Aber mit den Daten von Armen kann man kein Geld verdienen, weil diese zwar viel Zeit, aber kein Geld haben. Daher sieht man das bedingungslose Grundeinkommen als notwendige Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der eigenen Geschäftsmodelle.

Die Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens durch eine Maschinensteuer hält Precht für praktisch undurchführbar. Selbst wenn man sich auf die Bemessungsgrundlage einigen könnte, wäre das nur im internationalen Gleichklang sinnvoll, andernfalls käme es zu internationalen Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten der Länder, die das einführen. Es wäre aber sehr wohl möglich, ein bedingungsloses Grundeinkommen durch Mikrosteuern zu finanzieren. Dazu gibt es ein Modell in der Schweiz, das eine Besteuerung von Finanztransaktionen in Höhe von 0,05 % auf jede Finanztransaktion für ausreichend hält, um ein Grundeinkommen von 2.500 CHF monatlich für alle Schweizer zu finanzieren.

In Deutschland oder Österreich müsste dieser Satz etwas höher sein, weil hier der Anteil der Finanzwirtschaft an der Volkswirtschaft geringer ist. Er schätzt, dass hier ca. 0,2 % notwendig wären um ein Grundeinkommen von € 1.500,- monatlich zu finanzieren (Hartz IV liegt derzeit bei € 1.200,- monatlich, ein Grundeinkommen müsste höher sein).

Finanziell wäre das bedingungslose Grundeinkommen also kein Problem, wenn man es will. Die Frage, wie die Gesellschaft und das Leben jedes einzelnen sich verändert und wie man damit zurecht kommt, bleibt aber offen. Änderungen im Wertesystem (im alten Griechenland arbeiteten nur Sklaven, Frauen und Ausländer, heute gilt Nicht-Arbeit als stigmatisierend) und als Voraussetzung im Bildungssystem sind unabdingbar.

Hier Prechts Zusammenfassung im O-Ton, wobei er zu Beginn auf die oben geschilderten Veränderungen des Arbeitsmarktes Bezug nahm, mein spontaner Audio-Mitschnitt setzt erst danach ein. Einfach auf das Bild klicken, MP3 läuft dann ab, Dauer knapp unter 3 Minuten.

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