in Methoden, Praxistipps

Danke Fehler! Du bist mein Coach

Einer der Top-Vorträge der PM-Welt 2017 war der von Jens Corssen. „Klagen Sie noch – oder sind sie schon erfolgreich? Warum Jammern aus Gewohnheit unsere Potentiale reduziert“, der Titel des Vortrages klang schon vielversprechend, der Inhalt übertraf allerdings meine Erwartungen deutlich.

Zunächst seine Grundthese, dass unsere Gestimmtheit (salopp: wie wir drauf sind) bestimmt, wie wir die Welt wahrnehmen. Wenn ich verstimmt bin, treffe ich dauernd Idioten, bin ich gut gestimmt, ist die Welt voll mit angenehmen Menschen. Wenn wir unser Selbstwertgefühl von anderen Menschen oder äußeren Umständen abhängig machen, spielen wir ein gefährliches Spiel das leicht zu einer Abwärtsspirale führt. Es liegt an uns, das zu ändern.

Wir kennen aus der NLP das Konzept des Reframing. Jens Corssen hat einige konkrete Formulierungen beigesteuert, die man jederzeit anwenden kann:

  • Anstatt: „Das gibt’s doch nicht“ oder „Das darf doch nicht sein“ besser: „Das hab ich mir anders vorgestellt“. Das kann man auch wütend, schreiend, auf den Boden stampfend sagen oder zumindest denken.
  • Wenn Dich jemand ärgert: „Er gibt sein Bestes, mehr ist einfach nicht drin.“
  • Das ist kein Idiot, vielleicht ist er nur „Nicht geübt im Denken“.

Was bringt das für das Projektmanagement? Keine Zeit und Energie damit verschwenden, sich über Kollegen, Kunden und wen auch immer zu ärgern. Sag Dir einfach: „Sie geben ihr Bestes, mehr ist nicht drin.“ „Vielleicht sind sie nicht so geübt im Denken wie ich“. Sobald man die Dinge so betrachtet, erkennt man die eigene Rechthaberei, der Ärger verfliegt und man wird offen für Lösungen. Ärgern und Jammern hingegen versetzt uns in einen Stresszustand, der uns daran hindert, aus gewohnten Mustern auszubrechen. Nur ein Paradigmenwechsel bringt den Durchbruch. Corssen erinnerte an Beispiele im Sport: der Fosbury-Flop beim Hochsprung, die V-Stellung beim Schispringen.

Probleme sind nicht lösbar mit dem Denken, das sie verursacht hat, das stammt von Einstein. Watzlawick warnte vor „Mehr desselben“. Daher immer – so der Rat von Corssen – 8 Optionen generieren, erst dann beginnt man, das Denkmuster zu wechseln, die ersten Optionen sind immer nur mehr desselben.

Ich höre so oft die Klage über Moving Targets. Ich kenne kein Projekt, bei dem es keine Unklarheiten und Änderungen der Zielsetzungen während des Projektes gab. Sich darüber zu ärgern, ist verschwendete Energie. Die Auftraggeber geben ihr Bestes, mehr ist einfach nicht drin! Oder ganz ernsthaft: Das Projekt ist wichtig, es nimmt teil an der Dynamik des Unternehmens und seiner Umwelt.

Und wenn was schiefgeht: Danke Fehler, Du bist mein Coach! Ich habe aus einem Coaching vor gut 15 Jahren ein Mantra mitgenommen, das ich immer anwende, wenn etwas so richtig schiefläuft: „Eine interessante Erfahrung!“ Das hilft, wirklich!

Wer Jens Corssen im O-Ton lesen will,
hier eines seiner Bücher.

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