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Disciplined Agile – Ein Standard, der wirklich unterstützt!

Es gibt seit Jahrzehnten etablierte Standards für das Projektmanagement. Weltweit führend ist PMI (Project Management Institute), vor allem in der DACH-Region führt IPMA (International Project Management Association). In Großbritannien und einigen anderen Ländern dominiert PRINCE2 (Projects in Controlled Environments). Seit 2012 gibt es auch die international gültige ISO 21500, die sich weitgehend am Prozessmodell von PMI orientiert. Für IT-Projekte gibt es spezielle Standards, so wie den SWEBOK (Software Engineering Body of Knowledge) der IEEE oder das V-Modell XT der deutschen Bundesregierung.

Standards für agiles Projektmanagement

Agile Entwicklung folgt ebenfalls Standards. Dominierend ist derzeit Scrum für einzelne Projekte und SAFe für das Projektportfolio eines Unternehmens. Auch hier werden Begriffe und Standardprozesse einheitlich definiert.

Es gibt eine Reihe von Standards für die Abwicklung agiler IT-Projekte von PMI, IPMA und dem Agile Business Consortium (vormals DSDM). Scrum, Kanban und Extreme Programming erheben nicht den Anspruch, die Aufgaben des Projektmanagements vollständig abzudecken, sondern bieten methodische Anleitungen für die Abwicklung der Produktionsprozesse in Projekten. Kanban gilt nicht nur für IT-Projekte und kann auch in Linienorganisationen eingesetzt werden.

Scrum ist die gängigste und jedenfalls bekannteste Methode, um Software agil zu entwickeln.

SAFe zeichnet sich dadurch aus, dass es die Projektabwicklung vom Projektportfolio-Management über das Programm- bis hin zum Projekt- und Teammanagement in einem Standard zusammenfasst. In der Detailarbeit wird vor allem auf Scrum und XP (Extreme Programming) verwiesen. SAFe steht zwar in Konkurrenz zu anderen agilen Frameworks (zum Beispiel LESS: Large Scale Scrum), hat aber mittlerweile eine große Fangemeinde und wird professionell vermarktet.

Welchen Nutzen bringen Standards?

Welchen Nutzen ein Standard bringt, ist eine Frage der Handhabung. Standards verleiten vor allem unerfahrene oder aus anderen Gründen ängstliche Projektmitarbeiter dazu, das eigenständige Denken zu vernachlässigen. Oft genug achten zentrale Instanzen – etwa ein Project Management Office – darauf, dass bei der Projektumsetzung die vorgegebenen Normen genau eingehalten werden.

Wenn Standards als Vorgaben verstanden werden, die immer vollständig und ohne Abweichungen umzusetzen sind, vergeuden Unternehmen regelmäßig Aufwand für Themen, die in diesem Projekt irrelevant sind. Gleichzeitig besteht die Gefahr, die gerade in diesem Projekt wirklich kritischen Themen zu übersehen. PMI und PRINCE2 stellen zwar deutlich klar, dass in jedem Projekt eine individuelle Selektion entsprechend den konkreten Gegebenheiten zu erfolgen hat. Das wird aber in der Hitze des Gefechts leider oft übersehen.

Projektmanagement-Standards adressieren die für alle Projekte geltenden Herausforderungen und Lösungsansätze. Das liegt in der Natur solcher Standards und ist ihnen nicht vorzuwerfen. Jedes Projekt hat allerdings einen spezifischen Inhalt: die Errichtung eines Gebäudes, die Entwicklung und/oder Anpassung von Software, die Reorganisation eines Unternehmens oder die Einführung eines Produktes am Markt. Der Inhalt ist entscheidend: „Content is King!“

„Disciplined Agile“ ist ein umfassender Werkzeugkasten

PMI bietet unter dem Titel „Disciplined Agile“ (DA) ein Modell an, mit dem man agile Projektmanagement-Prozesse an die spezifische Situation eines Projektes anpassen kann. Im Gegensatz zu normativen Modellen wie SAFe oder Scrum ist DA ein Werkzeugkasten. Von der jeweiligen Ist-Situation ausgehend wird der beste Weg zu einer agilen Arbeitsweise („Way of Working“ – kurz WoW) in Projekten gesucht. Konformität zu SAFe ist ein mögliches Ergebnis dieses Prozesses, nicht jedoch eine Vorgabe und auch nicht der Endpunkt der Entwicklung, da es um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess („Guided Continuous Improvement“) geht. Meiner Meinung nach der beste Zugang zu diesem Thema, in Europa allerdings noch wenig bekannt.

Nun wollte ich das genau wissen und habe daher die Zertifizierung gemäß DA absolviert. Dazu gehört ein Test und der Nachweis von einschlägigen Erfahrungen in agilen Projekten. Es ist ein nennenswerter Aufwand, aber er lohnt sich, das kann ich nun aus eigener Erfahrung berichten. Ob diese Zertifizierung bei öffentlichen Ausschreibungen anerkannt wird, weiß ich  nicht. Dafür habe ich einige klassische Projektmanagement-Zertifizierungen aufzuweisen.

Hier noch das zentrale Buch zu „Disciplined Agile“. Dieses zu lesen lohnt sich sehr, habe ich vorher getan und dann beschlossen, das gleich zu vertiefen und die Zertifizierung zu machen. Ist auch der Prüfungsstoff, also auch in dieser Hinsicht kein verlorener Aufwand.

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