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IT Governance jenseits von Alibihandlungen

Ein Experteninterview, das Philipp Schiedauf im Rahmen seiner Master Thesis mit mir zum Thema  IT Governance in öffentlichen Institutionen führte, war ein willkommener Anlass, darüber wieder einmal grundsätzlich nachzudenken. Dank des Gesprächsprotokolls ist es leichter, die wichtigsten Gedanken hier zusammenzufassen. 

Der Umgang mit der IT ist ein wichtiges Thema im öffentlichkeitsnahen und öffentlichen Bereich. Nicht immer wird das unter diesem Titel abgehandelt, nicht immer systematisch, außer im Falle einer verpflichtenden externen Prüfung, die mittlerweile auch im öffentlichen Sektor immer häufiger ist.

Worum geht es bei IT Governance im Kern? Es geht darum, dass sich das Top-Management mit dem Thema IT in adäquater Weise auseinanderzusetzt. Man könnte das mit dem Rechnungswesen vergleichen: es ist undenkbar, dass sich das Top-Management nicht für „die Zahlen“ interessiert und das auch noch laut verkündet. IT sollte ähnlich gesehen werden, denn diese kann einem Unternehmen zum Erfolg verhelfen oder es entscheidend schwächen. Das Ignorieren der IT als Handlungsfeld des Top-Managements ist daher höchst problematisch und in den meisten Fällen sogar unverantwortlich.

Auch die interne Sicht der IT als Dienstleister ist nicht optimal. Wichtig ist der Dialog zwischen der IT und deren  Anwendern (damit sind nicht nur die „User“ gemeint, sondern primär das Management der operativen Bereiche). Innovative und funktionierende Lösungen können nur im Dialog entstehen. Hier gibt es aktuell viel Bewegung unter dem Stichwort „Agilität“, wir sollten diese Chance nutzen, um uns von hinderlichen Paradigmen wie z.B. dem „Wasserfallmodell“ zu lösen.

Die Entwicklung der Geschäftsprozesse wird entscheidend von Technologieimpulsen geprägt. So lächerlich es scheinen mag, wird das seit Jahrzehnten notleidende Thema der Management-Informations-Systeme möglicherweise durch Tablets (insbesondere das iPad) einen Schub bekommen und selbstverständlicher Teil der Management-Instrumentarien werden. Die Organisation muss lernfähig sein und solche Impulse annehmen, sonst wird viel Potenzial vergeudet.

Damit allerdings IT Governance nicht zu einem Feld für jene wird, die gerne im Fachgebiet der anderen dilettieren, habe ich für mich die „Regel vom letzten Wort“ entwickelt. In Business-Fragen hat das Business das letzte Wort. In IT-Themen hat die IT das letzte Wort. Dazwischen kann jeder einen Beitrag leisten. Dies führt dazu, dass am Ende die entscheiden, die das fundierteste Wissen im jeweiligen Themenbereich besitzen und vor allem auch die Verantwortung tragen. Im Gegensatz zu früheren Formulierungen meine ich, dass das erste Wort jedem zusteht; auch dafür ist die Nutzung von iPads im Management ein aktuelles Beispiel, wo eine technologische Weichenstellung von Business-Managern gesetzt wurde.

Etwas ausführlicher habe ich dieses Thema 2008 in einem Vortrag behandelt. Hier der Link zu diesem Vortrag und auch weitere Links zu Kongressbeiträgen rund um dieses Thema.

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