in Praxistipps

Optimismus steigt mit dem Quadrat der Entfernung

Unrealistische Projektpläne kennt jeder. Selten resultieren sie aus echten Irrtümern durch mangelndes Wissen, meist weicht man unangenehmen Diskussionen mit Auftraggebern oder anderen wichtigen Stakeholdern eines Projektes aus.

Natürlich ist es selten so offensichtlich, wie unrealistisch ein Plan ist wie in dem klassischen Cartoon „Hier geschieht ein Wunder“, dessen Urheberschaft ich nicht klären konnte. Dieses Cartoon ist wohl eine Variation eines Mathe-Cartoons von Sidney Harris. Siehe Original hier: http://bit.ly/awonderoccurs.

Cartoon_Wunder

Je näher der Termin einer solchen „Wunderaktivität“ im Projektplan kommt (meist sind es ja mehrere), umso klarer wird allen, dass es so nicht funktionieren wird. Je weiter entfernt, umso besser funktioniert die Verdrängung dieser unangenehmen Wahrheit und der Zusammenhang ist kein linearer.

Der Rat, als Projektmanager solche Illusionen aufzudecken, sobald man sie erkennt, geht aber an der Realität von anspruchsvollen Projekten vorbei. Das aus mehreren Gründen, die in verschiedener Kombination auftreten können:

  • Sportlicher Ehrgeiz gehört zur Unternehmenskultur. Jeder weiß, dass es eigentlich nie so klappt wie geplant, aber man braucht solche hochgesteckten Ziele für die eigene Motivation.
  • Das Projekt konnte nur gestartet werden, indem man unrealistische Zielwerte angegeben hat. Der oder die dafür verantwortliche(n)  Stakeholder spielen auf Zeit, bis ein Point of no Return erreicht ist. Wer hier zu früh „die Wahrheit“ sagt, wird dafür weder Dank noch Anerkennung ernten, sondern höchstens einen Karriereknick.
  • Das „Studentensyndrom“ ist tief in den Mitarbeitern verankert: sobald ein Termin zu weit in der Zukunft liegt, werden die zur Erreichung notwendigen Arbeiten aufgeschoben, oft so lange, bis es dann wirklich zu spät ist. Also gibt man für alles zu kurze Termine vor, damit es trotz Terminverzug immer noch rechtzeitig ist. Auch das eine Frage der Unternehmenskultur,  die man als Projektmanager nicht kurzfristig (genug) ändern kann.

Was also tun? Den Terminplan als sehr ambitioniert bezeichnen und hoffen, dass jemand anderer früher das Handtuch wirft als man selber. So zynisch das klingen mag, in vielen Organisationen ist das die einzig mögliche Überlebensstrategie. Dass man diese Taktik, deren Gelingen man nicht selbst in der Hand hat, durch informelle Gespräche möglichst mit den entscheidenden Stakeholdern absichert, sollte selbstverständlich sein.

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