in Projektmanagement - Praxis, Psychologie des Projektmanagements

Schuldzuweisungen oder: Fallen Probleme vom Himmel?

Es ist eine eiserne Regel in allen Unternehmen, die ich kenne: „Bitte keine Schuldzuweisungen“. Keine Frage, das ist eine sehr sinnvolle Regel, ich frage mich nur immer wieder, was damit jeweils wirklich gemeint ist.

Wenn jemand von sich aus die Verantwortung für eine Entscheidung übernimmt, wird das ja wiederum (mit Recht) positiv gesehen, obwohl es sich logisch nicht von einem Schuldeingeständnis unterscheidet (sofern die Entscheidung zu Problemen geführt hat).

Es ist ja interessant, dass ausgerechnet in einem Kulturkreis, der vom Paradigma der persönlichen Schuld geprägt ist (Christentum, Strafrecht), dieses Erklärungsmuster im Alltag von Unternehmen und Projekten so tabuisiert wird. Ich sehe das durchaus positiv, wenn ich auch bezweifle, dass eine solche Ausgrenzung des Schuldbegriffs wirklich funktionieren kann.

Was aber ist eine Schuldzuweisung? Ich definiere das etwas akademisch so: Die Ursachenanalyse endet mit der Nennung einer Person oder Personengruppe, die in der Vergangenheit eine bestimmte Handlung gesetzt hat.

Was ist meine Empfehlung: Bei der Problemanalyse in einem laufenden Projekt keine vergangenen Handlungen von konkreten Personen als Ursache der aktuellen Probleme zu benennen, ist vernünftig. Man vermeidet dadurch persönliche Betroffenheit und Abwehrreaktionen, die von der Lösung des Problems ablenken oder diese sogar verhindern. Der entscheidende Unterschied ist aber, dass man zwar auf die Nennung vergangener Handlungen verzichtet, jedoch sehr wohl auch zu diesem Zeitpunkt künftig notwendige Handlungen konkreter Personen als Elemente der Problemlösung identifiziert. Tut man dies nicht, ist jede Problemanalyse folgen- und daher sinnlos.

In einer Manöverkritik muss man aber sehr wohl auch solche Ursachen betrachten, die ansonsten unter das Schuldzuweisungsverbot fallen.

 

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