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Die Karrierestrategie als Geschäftsmodell darstellen

Wenn man seine berufliche Zukunft plant, gibt es eine Reihe von inhaltlichen Entscheidungen zu treffen. Dazu habe ich in einem anderen Blog-Beitrag schon einiges gesagt. Wer das lieber als Podcast konsumieren will, kann das bei Upspeak tun. Die Links zu den EKS-Phasen führen direkt zum Podcast, der dieses Thema behandelt.  Podcasts zur EKS als Grundlage der Karrierestrategie von IT-Projektmanagern gibt es auf allen gängigen Podcast-Plattformen.  Die Links gibt es hier.

Die andere Frage ist, welche Themen man dabei bearbeitet und wie man das Ergebnis darstellt. Ich sehe die EKS-Strategie als die beste inhaltliche Leitlinie für die Erarbeitung der Karrierestrategie. Genauso sehe ich den Ansatz des Business Model Canvas als Best Practice bei der Darstellung von Strategiekonzepten. Hier der Link zum erfolgreichen Buch „Business Model Generation“.

Kernstück dieser Methode ist das sogenannte „Business Model Canvas“, eine Matrix, in der die Elemente eines vollständigen Geschäftsmodells enthalten sind. Im Kern steht die „Value Proposition“. Das ist der Nutzen, der den Kunden angeboten wird. Hier als Beispiel eine solche Geschäftsmodelldefinition für Nespresso auf hoher Abstraktionsebene (Quelle: https://www.researchgate.net). Diese kann jeder aus der Kenntnis von Nespresso (What else?) gut nachvollziehen. Eine Erläuterung zu den Inhalten von Alex Osterwalder selbst kann man hier nachlesen.

An analysis of Nespresso through Osterwalder and Pigneur (2010) original Business Model Canvas, which forms the economic layer of the Triple Layer Business Model Canvas.

Die Autoren sehen dieses Modell als Standardisierung der Darstellung von Geschäftsmodellen. Alex Osterwalders erste Folie in seiner Masterclass ist voller „Bla Bla Bla …“, weil über Geschäftsmodelle so oft unstrukturiert und vage gesprochen wird. Das Canvas ist ein generisches Modell für beliebige Inhalte. Regeln und Empfehlungen für die inhaltliche Gestaltung von Geschäftsmodellen bewegen sich auch auf einer eher formalen Ebene. Allerdings gibt es im Buch zahlreiche Beispiele, wie erfolgreiche Geschäftsmodelle aussehen. Der Vorteil der standardisierten Darstellungsform ist ja gerade: man kann Geschäftsmodelle miteinander vergleichen. Man kann sie übereinander legen und die Unterschiede herausarbeiten.  Damit wird die Bewertung von Entscheidungsalternativen leichter. 

Geschäftsmodell für mich als Person?

Manche werden einwenden, dass die eigene Karrierestrategie doch nicht als Geschäftsmodell zu sehen sei. Genau das ist aber eine unkluge Einschränkung der eigenen Möglichkeiten. In der EKS ist immer schon klar, dass die Strategieplanung für Unternehmen, Organisationen und Personen den gleichen Regeln folgt. Nur die Inhalte sind unterschiedlich.

Wir fokussieren hier auf die Karriereplanung für IT-Projektmanager. Das Modell kann man auch für sich als Vater/Mutter, Vereinsmitglied etc. anwenden, aber dafür sollten Sie das Buch konsultieren (Link am Ende des Beitrages). 

Wie kann man EKS und Business Model Canvas sinnvoll kombinieren?

Ich verschränke dieses Modell mit den Grundsätzen der EKS-Strategie. In dieser Kombination wird es noch wirksamer. Der formale Rahmen des Canvas und die Entscheidungsgrundlagen aus der EKS ergeben eine unschlagbare Einheit. Vergleichen wir also die Elemente des Business Model Canvas mit den Strategieentwicklungsphasen der EKS (die Links führen – wie schon gesagt – zu einem Podcast über dieses Thema):

Kunden (Customer Segments): Das ist die vielversprechendste Zielgruppe der EKS. 

Wertangebot (Value Proposition): Das größte Nutzenpotenzial der EKS.

Kanäle (Channels): In der EKS implizit in der Engpassanalyse enthalten, jedoch im Canvas mit Recht als eigenes Thema hervorgehoben.

Kundenbeziehungen (Customer Relationship): Hier gilt das gleiche wie bei den Kanälen.

Umsatz (Revenues): Die EKS geht davon aus, dass ein hoher Nutzen für die erfolgsversprechendste Zielgruppe geradezu automatisch zu einem angemessenen finanziellen Erfolg führt, aber auch hier ist es sinnvoll, dem Ansatz des Canvas zu folgen und das explizit und detailliert zu planen.

Schlüsselressourcen (Resources): Hier gibt die EKS mit der Analyse der Ist-Situation, der eigenen Stärken und dem Herausarbeiten der „Differenzeignung“ (wo unterscheide ich mich – vorteilhaft – von anderen) sehr konkrete Anleitungen, die in die Erarbeitung des „Business Model YOU“ eingebracht werden können.

Schlüsselaktivitäten (Activities): Auch das eine sinnvolle Detaillierung, die in der EKS Ergebnis der Engpassanalyse ist, jedoch nicht als eigenes Ergebnis der Planung herausgehoben wird. 

Schlüsselpartner (Partners): Dieses Feld wird in der Phase 6 der EKS („Kooperationsstrategie„) intensiv und ausführlich bearbeitet.

Kosten (Costs): Eine sinnvolle Hervorhebung und Detaillierung, die in der EKS in der Analyse des internen Engpasses (Phase 4: Engpassanalyse) adressiert wird.

Was leistet die EKS, was das Business Model Canvas?

Wie sollte man vorgehen? Meiner Erfahrung nach ist es sinnvoll, die Phasen der EKS durchzuarbeiten und die damit verbundenen Empfehlungen zu berücksichtigen; mehr dazu in diesem Podcast. Die Ergebnisse werden im Business Model Canvas abgebildet. Dieses dient auch als Checkliste für die Vollständigkeit der Analyse. Wir haben beim Vergleich oben gesehen, dass das Canvas einige wichtige Elemente explizit adressiert, die in den EKS-Anleitungen nicht ausdrücklich angesprochen werden. 

Wichtig ist, dass beide Ansätze von den gleichen Grundprämissen ausgehen, sonst wäre die Kombination ja sinnlos. Es geht um das Anbieten eines überlegenen Nutzens für eine konkret definierte Zielgruppe. 

Wo die EKS weiter geht und auch konkreter wird, sind die Phasen 5 (Innovationsstrategie) und 7 (Entwicklung zum konstanten Grundbedürfnis). Das Business Model Canvas bekommt dadurch einen Zeitstempel und es wird klar, dass es ständig weiter entwickelt werden muss. Die EKS gibt hier eine Richtung vor. Diese Empfehlung beruht auf der Analyse von zahlreichen Karriereverläufen.  

Wo die EKS sich inhaltlich mehr festlegt, ist die Bewertung der Kooperation. Die EKS versteht sich ausdrücklich als Win-Win-Strategie, die Konfrontationen durch Spezialisierung ausweicht, sich gegen Mitbewerb allerdings durch die stetige Arbeit an der Verbesserung des eigenen Nutzenangebots (Innovations- und Kooperationsstrategie) absichert. Konkurrenz wird abgewehrt, weil diese Überlegenheit in einem möglichst eng definierten Fokus einen Angriff auf die Marktposition eines der EKS folgenden Marktteilnehmers immer aussichtsloser werden lässt („Prinzip der schiefen Ebene“). Gerade durch die Fokussierung bleibt aber Platz für andere Anbieter mit komplementären Angeboten, mit denen man oft zum beiderseitigen Vorteil kooperieren kann. 

Für alle, die tiefer gehen wollen, hier der Link zu den Quellen:

Aber bald auch hier mehr zu diesem Thema, ich bleib dran! Im Mai besuche ich eine Masterclass mit Tim Clark, dem Hauptautor des Buches „Business Model You“, auch davon werde ich hier berichten.

5.6.2020: Nachtrag aus aktuellem Anlass! Ja, jetzt habe ich die Master-Class absolviert, es war ein sehr diverses Team von Malaysia bis Hawaii dabei. Tim Clark hat unsere Erwartungen nicht enttäuscht. Und jetzt bin ich ….

Business Model YOU Practitioner - Plakette

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