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Fehlschläge bei IT-Großprojekten der Öffentlichen Verwaltung

Der Doyen der Wirtschaftsinformatik, Prof. Peter Mertens, hat gescheiterte IT-Großprojekte in der öffentlichen Verwaltung Deutschlands analysiert und darüber am 28.2.2012 am Zentrum für E-Government der Donau-Universität Krems berichtet.

Als Motiv für seine Studie nannte Mertens die Analogie etwa zur Luftfahrt, wo zu jedem Unfall und sogar zu Beinaheunfällen eine eingehende Ursachenanalyse erstellt wird und Empfehlungen zur künftigten Vermeidung solcher Ereignisse daraus abgeleitet werden.

Diese Studie gibt es vollständig zum Download auf der WebSite der Uni Erlangen.

Mein kurzes Resümée aus der Diskussion (alles andere kann man ausführlich im Papier nachlesen):

Das Zusammenwirken von Politik, Verwaltung und Lieferanten kann zu einer brisanten Mischung führen. Hier meinte Prof. Arthur Winter, der als Sektionschef im BMF für Großprojekte wie SAP-Einführung im Bund und zahlreiche andere Großprojekte verantwortlich war, dass in Österreich die politische Ebene sich aus solchen Projekten herausgehalten habe. Die Beibehaltung einer nicht politisch punzierten Beamtenschaft (Deutschland hat dies durch politische Beamte „ergänzt“) erschien nicht nur mir als durchaus valide Schlussfolgerung und Empfehlung.

Als Handlungsempfehlung formulierte Mertens u.a., solche Projekte durch eine dritte Phase zwischen politischem Auftrag und Auftragsvergabe zu ergänzen, in der eine Funktionalanalyse durch unabhängige Experten erstellt werden soll, die für ihre Empfehlung auch haften. Dieser an sich sehr sinnvolle Vorschlag wurde durch die überraschende These, dafür Wirtschaftsprüfer einzusetzen, etwas geschwächt. Darauf angesprochen, gab Prof. Mertens die Unabhängigkeit dieses Berufsstandes als Grund an, räumte aber ein, dass Ziviltechniker oder unabhängige Berater durchaus besser geeignet sein könnten.

Wie auch immer, es lohnt sich, die Studie zu lesen!

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